Ich habe Zeus einmal mit einem dieser bunten, weichen Kausnacks aus dem Supermarkt belohnt. Er hat ihn gefressen, mit dem Schwanz gewedelt und dann zehn Minuten später auf meiner Terasse gekotzt. Schöne Bescherung. Seitdem stelle ich mir die Frage, die sich wahrscheinlich viele Hundebesitzer irgendwann stellen: Was steckt eigentlich in diesen Dingern, die ich meinem Hund täglich in die Schnauze schiebe? Und mache ich das mit dem Belohnen überhaupt richtig?
## Das Problem, das die meisten nicht benennen könnenDu trainierst Deinen Hund. Du willst, dass er Sitz macht, bei Fuß läuft, nicht jeden Jogger anbellt. Also nimmst Du Leckerlis. Das klingt simpel. Ist es aber nicht. Denn irgendwann merkst Du, dass Dein Hund zwar auf Leckerlis hört, aber ohne sie plötzlich taubt. Oder er frisst abends kaum noch sein Futter. Oder er kriegt weiche Ausscheidungen, obwohl Du nichts geändert hast.
Das sind keine Einzelfälle. Das passiert, weil die meisten von uns Leckerlis einfach kaufen, ohne drüber nachzudenken. Es steht "natürlich" auf der Packung, also muss es gut sein. Stimmt leider nicht.
## Was die meisten beim Belohnen falsch machenDas größte Missverständnis ist dieses: Ein Leckerli muss gut schmecken, dann ist es gut. Falsch. Ein Leckerli muss gut schmecken und gut sein. Das ist ein riesiger Unterschied.
### Zu viel, zu groß, zu fettigViele Besitzer geben zu große Mengen. Eine Trainingseinheit mit 20 Belohnungen und jedes Mal einem fingergroßen Kausnack bedeutet locker 200 bis 400 zusätzliche Kalorien. Bei einem Hund wie Zeus, der rund 30 Kilogramm wiegt, kann das schnell ein Drittel des Tagesbedarfs sein. Laut einer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes aus dem Jahr 2022 sind rund 35 Prozent der Hunde in Deutschland übergewichtig. Leckerlis sind ein wesentlicher Faktor dabei, der oft unterschätzt wird.
### Zutaten, die da nicht reingehörenNimm mal eine Packung von diesen weichen, halbfeuchten Trainingssnacks aus dem Zoofachhandel und lies die Zutatenliste. Zuckerarten, Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Glycerin. Das soll mein Hund lernen zu mögen? Hunde haben zwar einen anderen Stoffwechsel als wir Menschen, aber künstliche Zusatzstoffe belasten trotzdem die Leber und k��nnen auf Dauer den Darm aus dem Gleichgewicht bringen. Besonders bei empfindlichen Rassen wie Weimaranern, die Zeus ist, ist das ein echtes Thema.
### Belohnen ohne TimingDas ist eher das Trainingsproblem: Viele geben das Leckerli zu spät. Zwischen der gewünschten Handlung und der Belohnung sollten maximal zwei bis drei Sekunden liegen. Sonst verknüpft der Hund das Leckerli nicht mit dem richtigen Verhalten. Das ist keine Meinung, das ist Verhaltensforschung. Operante Konditionierung funktioniert nur im richtigen Zeitfenster.
## Was wirklich funktioniert beim Hund belohnenGute Leckerlis für das Training haben drei Eigenschaften: Sie sind klein, geruchsintensiv und schnell zu fressen. Kein langes Kauen, keine Ablenkung. Der Hund soll kurz belohnt werden und dann wieder fokussiert sein.
### Die besten Arten von Leckerlis im ÜberblickGetrocknetes Fleisch in kleinen Stücken ist das, was ich Zeus am liebsten gebe. Getrocknet bedeutet: kein Wasser, hohe Aromakonzentration, langer Halt ohne Kühlung. Ob Rinderlunge, Pansen oder Wild, das spielt eine Rolle, aber die Grundidee ist dieselbe. Je weniger Zutaten, desto besser.
Käsewürfel funktionieren gut, sind aber fettig. In kleinen Mengen okay, nicht als Dauerlösung.
Industrielle Snacks mit kurzer Zutatenliste sind in Ordnung. Die Regel ist: Wenn Du die Zutaten nicht aussprechen kannst, solltest Du sie nicht kaufen.
### Flüssige Belohnungen? Ja, das gehtDas ist etwas, worüber kaum jemand spricht. Brühe als Belohnung. Klingt erstmal komisch, funktioniert aber sehr gut, besonders bei Hunden, die nicht besonders gierig auf feste Snacks sind oder bei denen Du die Kalorienzufuhr wirklich niedrig halten willst. Ein kleiner Schluck aus einer Sportflasche oder einem Dosiernapf, das reicht als Bestätigung. Zeus dreht durch, wenn er auch nur den Geruch von Wildbrühe wahrnimmt. Das Gehirn des Hundes reagiert auf Geruch stärker als auf Geschmack, also ist eine intensiv riechende Flüssigkeit oft wirkungsvoller als ein trockenes Stück Brot.
## Wie ich das mit Zeus löseZeus ist ein Weimaraner. Wer die Rasse kennt, weiß: Die Tiere sind intelligent, sensibel und manchmal ausgesprochen stur. Training ohne Motivation funktioniert mit einem Weimaraner ungefähr so gut wie Regenmachen durch Tanzen. Du brauchst hochwertige Belohnungen, sonst schaut er Dich an, als wärst Du eine besonders langweilige Pflanze.
Nach dem Supermarkt-Erlebnis, das ich am Anfang beschrieben habe, habe ich angefangen, Leckerlis selbst zu machen. Gebackene Hühnerleber, getrocknete Entenbrust. Das hat gut funktioniert, ist aber ehrlich gesagt zeitaufwendig. Ich bin Gründer von Nürburger, ich züchte keine eigene Geflügelzucht auf dem Hof.
Irgendwann habe ich angefangen, die Nürburger Wildbrühe auch gezielt im Training einzusetzen. Ursprünglich haben wir sie als Futterzusatz und zur Hydration entwickelt, aber Zeus hat mir schnell gezeigt, dass sie als Belohnung genauso gut funktioniert. Die Brühe besteht aus Wild aus der Eifel, ohne Zusatzstoffe, ohne Salz, ohne Schnickschnack. Kalorienmäßig ist sie fast neutral, riecht aber so intensiv, dass Zeus sie als echte Belohnung wahrnimmt. Mittlerweile nehme ich bei Trainingseinheiten draußen eine kleine Flasche mit. Ein Schluck nach dem richtigen Verhalten, fertig. Keine klebrigen Finger, keine aufgeweichten Kekse in der Jackentasche.
Wenn Du das selbst ausprobieren willst, schau Dir das Nürburger Wildbrühe 6er Set an. Ich nutze die Brühe regelmäßig, sowohl als Trainingsbelohnung als auch als Futterzusatz an Tagen, an denen Zeus nicht viel trinkt.
## Worauf Du beim Kauf von Leckerlis achten solltestDrei Dinge, die ich immer prüfe:
Zutatenliste: Maximal fünf Zutaten, keine E-Nummern, keine Süßungsmittel. Wenn Zucker oder Sirup vorkommt, Packung zurücklegen.
Größe: Für das Training willst Du Stücke, die ungefähr so groß sind wie ein Fingernagel. Alles größer lenkt ab und kostet zu viele Kalorien.
Geruchsintensität: Hunde orientieren sich am Geruch. Ein intensiv riechendes Leckerli motiviert mehr als ein geschmacksneutraler Keks. Deshalb sind getrocknetes Fleisch und Brühe so effektiv.
## FazitHund belohnen richtig ist keine Raketenwissenschaft, aber es lohnt sich, einmal kurz innezuhalten und darüber nachzudenken, was man dem Tier da eigentlich gibt. Kleine Mengen, hohe Qualität, richtiges Timing. Das sind die drei Punkte, die wirklich den Unterschied machen. Alles andere ist Marketing auf der Verpackung.
Zeus hat seit ich das verändert habe, keine Magenprobleme mehr nach dem Training. Sein Fell ist besser, er ist fokussierter und ich habe nicht das Gefühl, ihn mit jedem Snack heimlich zu vergiften. Das ist mir ehrlich gesagt mehr wert als jeder Preisvorteil im Sonderangebot-Regal.
Wenn Du neugierig bist, wie flüssige Belohnungen im Training funktionieren, probier es einfach aus. Mit einem kleinen Hund, einer kurzen Einheit, einer Flasche Brühe. Du wirst überrascht sein, wie gut das ankommt.